Flutwelle auf den Malediven
Am 26.12.2004 um 9:10 Uhr erreichte die Jahrhundert-Flutwelle im Indischen Ozean auch die Inseln der Malediven. Die Insel Kandooma wurde vom Tsunami überschwemmt und danach evakuiert. Mehr dazu lesen sie im im Forum oder in den Augenzeugenberichten auf dieser Webseite.
In unserer Übersicht der am 26.12.2004 beschädigten Resorts lesen sie nach, welche Inseln der Tsunami beschädigt hat. Unsere grafische Darstellung zeigt ergänzend die geografische Position der durch die Flut verwüsteten Inseln.
Erschütternde Bilder von der Kandooma benachbarten Einheimischen-Insel Guraidhoo wurden am 29.12.2004 aufgenommen.
Helfen auch Sie! Der Verein für die deutsche unabhängige Kinderhilfe für Sri Lanka e.V., kurz DUKS, setzt sich für Kinder ein, die durch den Tsunami vom 26.12.2005 zu hilflosen Waisen wurden. Hier geht es zur Homepage des Vereins.
Das Seebeben vor Sumatra
Ausgelöst worden war die Welle durch
eine ruckartige Verschiebung von riesigen Gesteinsmassen. Südlich von Sumatra und Indonesien treffen unterseeisch zwei Kontinentalplatten aufeinander. Die indisch-australische Platte schiebt sich hin und wieder mit gewaltigem Druck unter die eurasische Platte.
Am Sonntagmorgen des 26.12.2004 kam es im Meer durch diese Urgewalt auf einer Länge von 500 Kilometern zu einem Erdplattenbruch, der sich durch Nachbeben auf 1.000 Kilometer ausdehnte. Der Boden des Ozeans war entlang dieser Strecke in kurzer Zeit um 10 Meter nach oben geschnellt und hatte dabei gewaltige Wassermassen mit angehoben.
Diese Bewegung setzte auf einen Schlag eine Energiemenge frei, die dem Jahresverbrauch an Energie der Vereinigten Staaten von Amerika entspricht. Weitere Nachbeben folgten am 26. bis 29.12.2004.
Andaman Islands Earthquake
Dies ist das Schaubild des Stärke 9
Seebebens "Andaman Islands Earthquake" vom 26.12.2004 (79 kb, öffnet in einem neuen Fenster), welches die größte Flutkatastrophe seit Menschengedenken auslöste. Es war das viertgrößte Beben auf der Welt seit dem Jahr 1900.
Das Aufeinandertreffen der beiden Erdplatten ist in der Grafik gut zu erkennen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Seebeben sogar die Erdrotation minimal beschleunigt hat (2 µs). Von 572 zu Indien gehörenden Inseln der Andamanen und Nikobaren versanken 15 für immer im Meer. Die Inselkette selbst wurde zum Teil bis zu 36 Meter nach Westen versetzt.
Meßstationen registrierten das Beben weltweit in Echtzeit. Es bleibt ein Rätsel, warum seitens der Regierungen der betroffenen Länder in angemessener Zeit keine Reaktion erfolgte. Die Kopie eines Original-Protokolls vom Andaman Islands Earthquake am 26.12.2004 um 00:58:53 (UTC), Event-ID "usslav", finden sie hier (öffnet in einem neuen Fenster). Zum Zeitpunkt des Bebens war es auf den Malediven 5:58:53 Uhr.
Vom 26.12. bis zum 04.01.2005 wurden im Bereich des Epizentrums 97 weitere Beben mit einer Stärke von 5 oder höher registriert. Details finden sie in der grafischen Übersicht (46 kb, öffnet in einem neuen Fenster).
Wissenschaftler vermuteten, dass weitere starke Erdbeben innerhalb der nächsten sechs Monate folgen würden. Am 28.03.2005 wurde dann auch tatsächlich in der Region von Nordsumatra unter der Event-ID "usweax" ein weiteres massives Beben mit einer Stärke von 8,2 auf der Richterskala registriert.
Die Flutwelle erreicht die Malediven
Die durch das Seebeben entstandene
Energie breitete sich von der Stelle des Seebebens vor Sumatra mit über 500 Stundenkilometern in alle Richtungen aus und erreichte erst drei Stunden später die Inseln der Malediven.
Die Bewohner und Urlauber im Inselstaat waren jedoch noch nicht vorgewarnt, obwohl die Küstenregionen von Thailand zu diesem Zeitpunkt bereits schon seit zwei Stunden in Trümmern lagen, die vom benachbarten Sri Lanka seit einer Stunde.
Durch den Sog der herannahenden Wellen, ging das Wasser zunächst unnatürlich weit zurück. Einige Hausriffe liessen sich so für kurze Zeit teilweise ohne Schnorchel bestaunen. Danach kam das Wasser mit Macht zurück. Innerhalb kürzester Zeit stieg der Meeresspiegel drastisch an, einige Inseln wurden zudem von Wellen überflutet.
Zerstörung
In der Hauptstadt Male standen zwei Drittel aller Straßen unter Wasser. Auch die Flughafeninsel Holule wurde kurzzeitig geflutet.
Die Zerstörung der anderen Insel fiel sehr unterschiedlich aus. Während Inseln wie Gan, Embudu, Eriyadhu und Vaadhoo weitegehend verschont blieben, ja viele nicht einmal etwas bemerkt hatten, wurden andere Inseln wie Olhuveli und Medhufushi schwer getroffen.
Die Malediven Flutwelle trifft Kandooma
Auch Kandooma im Süd-Male-Atoll traf es
durch seine direkte Außenriff-Lage schwer. Die von Osten hereinbrechende Welle donnerte ungebremst auf die Urlauberinsel und beschädigte auch die direkt daneben liegende Einheimischeninsel Guraidhoo schwer.
Eine Urlauberin berichtete vom Moment des Eintreffens der Riesenwelle als Augenzeugin auf Kandooma in Blickpunkt.cc wie folgt "... dann sah ich plötzlich - es war etwa Zehn nach Neun Ortszeit - eine riesige Wasserwelle über die gegenüberliegende Insel (Guraidhoo) schwappen. Vor ihr wich das Wasser zuerst zurück, um dann rasend schnell anzusteigen".
Eine andere Augenzeugin schrieb uns per Email "wir waren gerade auf Tauchgang, als die Welle kam: seltsam wechselhafte Strömung und Strudel, schlecht Sicht - das war alles, was wir bemerkt haben. Zurück auf der Insel bot sich uns das inzwischen hinlänglich bekannte Bild der Zerstörung. Unser Bungalow - in der 400er Reihe - war washed out, Fenster und Türen eingedrückt. Ein paar Klamotten und die Fototasche haben wir noch gefunden...". Wertsachen und Dollar wurden dem Paar am nächsten Tag unbeschadet ausgehändigt. Die Augenzeugin betonte, dass die Angestellten von Kandooma den Urlaubern sehr engagiert geholfen hätten.
Schäden durch die Malediven Flutwelle
85% der Insel Kandooma galten am Abend des 26.12.2004 als zerstört. Das Wasser stand knietief auf dem Insel-Resort, allein der Bereich um den Pool blieb trocken. Zahlreiche Gebäude waren nach Augenzeugenberichten einsturzgefährdet. Wie durch ein Wunder kam niemand ums Leben. Offizielle Berichte sprachen von vier Toten auf Guraidhoo, der Einheimischen-Insel direkt neben Kandooma.
Kandooma wurde noch am gleichen Tag komplett geräumt und alle Touristen auf die Nachbarinsel Vilivaru im Innenatoll evakuiert, weil man mit einer zweiten Welle rechnete. Viele von ihnen besaßen zu diesem Zeitpunkt nur noch ihr nacktes Leben und die verdreckten Fetzen Stoff, die sie auf ihrem Leib trugen. Das Kandooma-Management hatte Wasserflaschen, Fruchtsäfte, Bananen und Melonen an die Urlauber ausgegeben.
Der Tag danach auf Kandooma
Am nächsten Tag (27.12.2004) kamen die Urlauber noch einmal für eine kurze Zeit nach Kandooma, um ihr Gepäck zu holen. Die meisten Wertgegenstände, wie Geld, Kreditkarten, Kleidung, Foto- und Tauchausrüstungen oder auch Koffer waren jedoch nicht mehr aufzufinden.
Noch am gleichen Tag traten die die Touristen ohne Resort die Heimreise an. Viele von Ihnen hatten zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch viele Tage oder gar den ganzen im voraus bezahlten Urlaub vor sich. Die Möglichkeit auf eine Ausweichunterkunft wurde jedoch seitens der Reiseveranstalter nicht angeboten. Die Neuankömmlinge für die zerstörten Resorts wurden gleich am Flughafen wieder in die Heimat geschickt.
Lob für das Aquanaut-Team
Wir entnehmen den Berichten der Urlauber, dass sich insbesondere die Mitarbeiter der Aquanaut-Tauschule auf Kandooma sofort vorbildlich um das Wohl aller betroffenen Touristen gekümmert haben. Die dort zu diesem Zeitpunkt aktive und uns persönlich bekannte Aqanaut Crew trug sowohl zur sofortigen medizinischen Erstverorgung der Verletzten, als auch zur erfolgreichen Evakuierung der Insel mit bei.
Von der Flutwelle verschont
Tauchsafari-Schiffe auf den Malediven
berichten, dass sie von der Naturkatastrophe erst aus dem Radio erfahren hätten. Auf hoher See war von der Malediven Flutwelle offensichtlich praktisch nichts zu bemerken.
Viele Insel-Tauchschiffe waren umgekehrt, als sie die ungewöhnlich starken Strömungen bemerkten. Bedingt durch plötzlich trübes und verschmutztes Wasser, befanden sich viele Taucher bei ihrem Ausflug unvermittelt im Dunkeln und mussten sich kurze Zeit an Steinen oder Korallen festhalten, bis das Phänomen vorüber war.
Nach ersten Berichten wurde die Unterwasserwelt der Malediven durch die Katastrophe zum Glück nicht geschädigt.
Bilanz der Natur-Katastrophe
Die Inseln der Malediven beklagen nach
dieser Katastrophe über 73 Todesopfer, darunter 3 Touristen, und 31 vermisste Einheimische zum Stand 31.12.2004. 11.000 Malediver sind ohne Zuhause. 7.000 Menschen wurden umgesiedelt.
Der materielle Schaden beziffert sich nach Aussagen der Regierung auf 1,2 Millarden US-Dollar. Zum Jahreswechsel 2004/2005, Hauptsaison auf den Malediven, hat die Inselwelt nur noch eine Zimmerauslastung von 50%.
Maumoon Abdul Gayoom, der Präsident der Malediven, führte in seiner Rede vom 29.12.2004 aus, dass der Tsunami die bisher größte Naturkatastrophe in der Geschichte der Malediven gewesen sei. Er sagte weiterhin, dass die Malediven keine rechtzeitige Warnung erhalten hätten. Und selbst wenn, hätte dies seiner Meinung nach an der Situation nichts geändert, da die Inselkette nur gering über dem Meeresspiegel liegt.
Bedrohte Inselwelt
Die bisher größte Flutkatastrophe in der Geschichte der Menscheit hat auch auf den Malediven deutliche Spuren hinterlassen. Das Ereignis vom 26.12.2004 hat gezeigt, dass die tropische Inselgruppe Flutwellen mit diesen Ausmaßen nichts entgegen zu setzen hat. Bisher sind die Malediven jedoch kein Einzugsgebiet von Wirbelstürmen und Seebeben dieser Stärke sind ebenfalls extrem selten.
Viel schwerer wiegt eine andere Gefahr: Mit einer maximalem Höhe von 2 Metern über dem Meer würde eine globale Erhöhung des Meeresspiegels verheerende Auswirkungen für die Inselrepublik haben. Deshalb sind die Malediven auf Weltklima-Konferenzen stets aktiv vertreten.
Mega-Tsunamis
Tsunamis dieser Größenordnung werden in
der Regel durch Erdbeben, Meteoriten-Einschläge oder Vulkanausbrüche ausgelöst. Die meisten Flutwellen treten aufgrund von unterseeischen Erdaktivitäten im Pazifischen Ozean auf. Für eine durch Seebeben ausgelöste Flutwelle ist nach Expertenmeinungen jedoch mindestens eine Stärke von 7,5 auf der Richterskala notwendig.
Für den Schutz vor Tsunamis ist eine aufwendige und teure Infrastruktur notwendig. Die USA haben ein solches System für den Pazifischen Ozean realisiert, mit dem auch der Osten Thailands geschützt ist, jedoch nicht der durch die Flutwelle zerstörte Westen des Landes, da er am Indischen Ozean liegt. Weitere Erklärungen zur Naturgewalt eines Tsunami.
La Palma Tsunami
Aber auch das Abrutschen von Erdmassen kann Tsunamis auslösen. Eine der größten Bedrohungen dieser Art geht heute sehr wahrscheinlich von La Palma aus. Hier droht nach der Aussage von Wissenschaftlern die halbe kanarische Insel ins Meer zu gleiten, was Flutwellen von hunderten von Metern Höhe auslösen würde. Zum Glück wird dieses Ereignis jedoch wohl noch Generationen auf sich warten lassen.
Interessante Infos zur aktuellen Erdbebensituation auf der Welt liefert die englischsprachige Seite U.S. Geological Survey Earthquake Hazards Program (öffnet in einem neuen Fenster).
Wir sind um die Korrektheit der gemachten Angaben bemüht. Sollte ihnen dennoch ein Fehler auffallen, so informieren sie uns bitte über das Kontaktformular.
Augenzeugenberichte von der Malediven Flutwelle auf Kandooma.
Wenn sie selber Augenzeuge waren, schreiben sie uns ihre Erlebnisse darüber einfach in das Kandooma Kontaktformular. Weitere Infos finden sie in unserem Kandooma Forum. Wir freuen uns dort auch über ihren Kommentar zur Lage.
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