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"Ach, wird schon so gehen, wir sind ja gleich wieder da" sagte Susanne Frevert zu ihrem Freund Holger, als sie zur Feier des letzten Urlaubstages auf Kandooma ausnahmsweise noch einmal zum Frühstück gingen. Das Schicksal sollte am 26.12.2004 jedoch etwas ganz anderes für die Beiden bereit halten ...
Das Beben
Mein Freund Holger und ich hatten bereits 13 Tage auf der Insel verbracht und dabei meist das Frühstück verschlafen. Nur vor einem Ausflug hatten wir es einmal geschafft und des weiteren an dem besagten Tag. Da Holger unbewusst von dem Beben aufwachte, war er die nächsten Stunden unruhig, machte mich dadurch auch wach, wenn wir auch bis viertel vor neun faul im Bett liegen blieben.
Frühstück vor dem Tsunami
Dann schlug ich aber vor, dass es doch gut wäre, heute zur Feier des letzten Tages mal zumindest eine Tasse Kaffee und einen Saft zu uns zu nehmen. Holgers Einwand, dass wir es mit Duschen und Anziehen nicht schaffen würden, wischte ich mit einem, "ach, wird schon so gehen, wir sind ja gleich wieder da" weg und so kam es, dass wir sogar noch ein Rührei aßen und bis zehn nach neun im Speisesaal saßen.
Plötzliche Unruhe
Als wir zu unserem Bungalow zurückgehen wollten und gerade neben der Rezeption ins Freie traten, sahen wir, wie jede Menge Flughunde von den Bäumen aufflogen und wild kreisten, untermalt von Krähengekreisch. Ich ärgerte mich kurz, dass ich nichts dabei hätte, also auch keine Kamera, als uns ein Malediver laufend überholte.
Die Tsunami Flutwelle
Unser Blick nach hinten sagte uns warum, da das Wasser von der Seite bereits kam. Eine Flucht nach vorn war allerdings auch nicht sehr aussichtsreich, da das Wasser auch schon von vorne anrauschte. So blieb jedem nur die Suche nach der nächsten Festhaltemöglichkeit mit dem Bewusstsein, nirgendwo nach oben fliehen zu können. Einige kletterten auf Bäume, andere standen auf Mauern, wir Unsportlichen hielten uns an einem Baum mit Luftwurzel fest, während die graue nach Diesel riechende Brühe sehr schnell an uns hoch stieg.
Das Wasser weicht zurück
In dem Moment, als ich Holger zurief, dass ich mich wegen der Strömung nicht mehr festhalten könne und er mich festhalten wollte, blieb das Wasser mir auf Brusthöhe plötzlich stehen und floss sehr langsam wieder zurück. Darauf sammelten sich alle Leute am höchsten Punkt der Insel, dem Pool, und die Verletzten wurden versorgt (viele hatten Schnittwunden), während später nach einer Hotelliste die Anwesenheiten geprüft wurden. Die Tauchcrew übernahm die gesamte Organisation.
Begutachtung der Tsunami-Schäden
Später marschierten einige von uns los, um die Schäden an den Bungalows zu begutachten und nach Sachen und Papieren zu suchen und wateten dafür durch Wasser und Prile. Wir wissen jetzt, dass dies unvernünftig war, aber wir konnten damals einfach nicht anders. Der Fußballplatz in der Nähe war überschwemmt, die Gewerbeanlagen mit den Quartieren der Angestellten sahen ebenfalls völlig verwüstet aus. Auch Bar, Speisesaal und Rezeption sahen verheerend aus.
Dass die Insel bald wieder für den Tourismus freigegeben werden kann, halten wir für ausgeschlossen. Da wir einen der Außenbungalows (einen der Vierhunderter) hatten, war auch der Anblick bestürzend: Bei einem Bungalow war die Seitenwand eingebrochen, bei allen fehlten Fenster und Türen und sämtliche Inhalte.
Sachen und Möbel rausgespült
Einzig die Matratzen sind schwer vollgesogen in den Bungalows liegen geblieben. Alle Sachen und Möbel waren rausgespült, bis auf einige wenige Dinge, die wir zum Teil aufklaubten, zum Teil als zerstört liegen ließen. Die meisten Sachen waren ohnehin unauffindbar verschwunden, meinen Koffer fanden wir nass, kaputt und völlig leer.
Dass nicht mehr Bungalows zusammengebrochen sind, haben sie meiner Meinung nach der Tatsache zu verdanken, dass die Welle zur Vordertür rein und zur Hintertür wieder raustürzen konnte. Sie muss hier ca. zwei Meter hoch gewesen sein und sich im Bungalow auf ca. 1,20 m reduziert haben. Wie froh konnten wir sein, dass wir ausnahmsweise zu dieser Zeit mal nicht in dem Bungalow waren.
Evakuierung von Kandooma
Als ich wieder ein unheilvolles Geräusch hörte, das eine neue Welle ankündigte, die allerdings zu schwach war, die Bungalows erneut durchzuspülen, sind wir lieber zum Pool zurückgekehrt, von dem aus wir auf die Boote geladen und später evakuiert wurden. Wir beide kamen nach Vili Varu, bekamen Tee und Kaffee, aber der Shop war leider geschlossen. Als er endlich öffnete, konnte ich mir wenigstens ein trockenes Oberteil kaufen, da wir erstaunlicherweise zumindest unser Geld retten konnten, das sich in einem geschlossenen Hartschalenkoffer befand, den wir als Safe nutzen und irgendwo auf der Insel wiederfanden. Leider enthielt er ansonsten nur zwei Hosen, die Holger auf der Insel nicht gebraucht und deshalb nicht ausgepackt hatte.
Erlebnisse auf Vili Varu
Wir bekamen etwas zu essen, die Getränke mussten wir allerdings auch selbst bezahlen. Die Leute ohne Geld mussten sich eben etwas leihen, was ich doch sehr enttäuschend fand. Auch dass wir nicht mal zu Hause anrufen konnten, war für uns schrecklich, da wir mittlerweile von Leuten mit noch vorhandenen Handys ungefähr wussten, was eigentlich passiert war und uns denken konnten, dass sich einige um uns Sorgen machen würden.
Die berühmte erste Düsseldorf-Maschine
Am nächsten Morgen fuhren wir nach allgemein schlafloser Nacht nochmal zur Insel, um noch Sachen holen zu können und fuhren von dort aus mit dem ersten Boot zum Flughafen, da wir vorgezogen wurden, weil unser Flug ohnehin an dem Tag gehen sollte.
Hier trafen wir einige Bekannte wieder, die zwar noch ihre Sachen hatten, dafür aber bereits 24 Stunden am Flughafen festsaßen. Unserem Reiseführer berichtete ich noch kurz, wie unsere Insel und sein Haus aussahen und dann konnten wir auch schon mit der berühmten ersten Düsseldorf-Maschine abheben.
Großes Lob an LTU
Ein großes Lob geht an die LTU und deren Crew, die erst Passagiere hin und gleich wieder zurückgebracht hat und wieder gestartet ist, um uns zu holen, obwohl die Ersatzcrew in Male nicht fliegen konnte, da sie keine trockenen Uniformen hatte.
Die übermüdete Crew musste in der Maschine auf Kisten sitzen und der Pilot war auf Sichtstart- und landung angewiesen. In Düsseldorf empfingen uns Heerscharen von Journalisten und eine wiederum sehr fürsorgliche LTU-Crew, die uns auch den Weiterflug nach Hamburg ermöglichte. Erst zu Hause wurde uns der Umfang der Katastrophe klar. Auch wenn wir noch glimpflich davongekommen sind, gut fühlen wir uns nicht.
Wenn sie ebenfalls Augenzeuge der Tsunami Flutwelle auf den Malediven waren und uns ihren Augenzeugenbericht zukommen lassen möchten, können sie uns unter unserer Email-Adresse kandooma@gmail.com oder über das Kontaktformular erreichen.
Hinweis: Die dargestellten Sachverhalte stellen die persönlichen und somit subjektiven Erlebnisse des Augenzeugen dar. Kandooma.info kann keine Gewähr für die Richtigkeit der gemachten Angaben übernehmen.
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