Kandooma Tsunami, Augenzeugenbericht
Über die Überflutung und Evakuierung von Kandooma am 26.12.2004. Ein Augenzeugenbericht vom 28.12.2004, aus dem Englischen übersetzt von der Kandooma.info Redaktion.
"Als der Tsunami das Kandooma Resort traf, waren die Mitarbeiter der Insel hilflos. Ich stand zu der Zeit an der Rezeption und irgendeiner rief "lauf".
Ein Mitarbeiter half mir auf eine Mauer und hielt mich am Arm fest, bis der Wasserstand so weit gesunken war, dass wir zum Pool-Bereich waten konnten, der als einziger auf der Insel nicht überschwemmt war.
Einige Touristen waren verletzt. Ebenso einige Malediver, nicht nur Insel-Mitarbeiter, sondern auch eine Anzahl von Frauen und Kindern auf Kandoomafushi. Dort war auch ein junger deutscher Mann, von dem ich vermutete, dass er für die Tauchschule arbeitete.
Dort war ein Erste-Hilfe-Koffer. Ich bin ausbildet für Erste Hilfe Leistungen. Der Deutsche verband und behandelte einige Verletzungen, meistens kleinere Sachen, drei die genäht werden mussten. Eine blonde Frau erhielt das Hotel-Register und führte eine Zählung durch, überprüfte die Gäste mit den Namen im Register. Zeitweise hatten wir Bedenken, weil das Jod und die Bandagen fast aufgebraucht waren.
Ich ging hinüber zu den maledivischen Frauen und Kindern und fragte sie, ob es ihnen gut geht. Eine der Frauen winkte ab, so dass ich davon ausging, dass alles in Ordnung war.
Als das erste Boot zurückkam, fragte ich den Tauchlehrer (ein anderer Deutschen) nach dem anderen Boot. Er sagte, er sah das Boot aus der Entfernung und ging davon aus, dass es ok war.
Schließlich fand ich einen Mann, der sich Ali nannte. Er war sehr nett, jedoch darauf konzentriert mittels seines Handys Kontakt mit Male herzustellen. Er konnte mir mitteilen, was die Welle ausgelöst hatte und sagte, dass wir die Insel nicht evakuieren könnten, bis nicht die anderen Boote zurück seien. ...
Die Leute waren beunruhigt über ihren Besitz (viele Leute waren am Pool oder am Strand). Ich kann hier nur meine Geschichte erzählen. Ich wanderte ungefähr 15 Minuten durch knietiefes Wasser, unfähig meinen Raum zu finden. Ich hielt Ausschau nach Mitarbeitern und rief nach ihnen. Sie waren sehr freundlich und halfen mir nicht nur, meinen Raum zu finden, sondern kamen mit rein und schoben Sachen und halfen mir meine Sachen nach draußen zu bringen.
Schließlich kam das Tauchboot zurück und wir wurden von Ali angewiesen, Schwimmwesten anzulegen, an Bord der drei Donis zu gehen und zu warten. Es waren grad mal halb soviel Schwimmwesten da, wie Leute. Dann veranlassten sie, dass Wasserflaschen und Früchte auf die Schiffe gebracht wurden. Ali erzählte mir, der Grund dafür, alle auf die Schiffe gehen zu lassen, sei, dass der Wetter-Service in Male eine zweite Welle zwölf Stunden nach der ersten erwartete. Eine Reihe von Mitarbeitern erzählte mir jedoch, dass man mehr darauf bedacht war die Gäste von ihren Räumen fernzuhalten, da die Struktur so schwer beschädigt war, dass man mit einem Einsturz rechnen musste.
Ich dachte erst, dies sei vielleicht eine Planung des Inselmanagements. Später erzählte mir mein Mann jedoch, dass das Inselmanagement noch keine Vorbereitungen zum Umzug für uns getroffen hatte. Dies war zumindest die Aussage eines Tauchlehrers, und es stellte sich heraus, dass alle Vorbereitungen für unseren Transport ausschließlich von Aquanaut-Mitarbeitern durchgeführt worden waren und nicht durch das Inselmanagement.
Um drei Uhr nachmittags verließen wir Kandooma mit Kurs auf Biyadoo. Das Boote wendete dann jedoch und fuhr Richtung Vilivaru. Als Erstes bat ich die sehr hübsche Frau an der Rezeption mein Handy aufzuladen. Ich sprach freundlich mit dem Manager, der ein sehr netter Mann mit einer guten Organisation zu sein schien. Er sagte, dass wir uns in die Bar setzen sollten, wo wir Kaffee und Tee angeboten bekommen würden.
Dort wurden wir darüber informiert, dass das Kandooma-Management uns lediglich mit Essen und Unterbringung versorgen würde. Für alles andere hätten wir zu zahlen. Meine Annahme war, dass Vilivaru unsere Buchungen übernehmen würde, da genügend freie Zimmer vorhanden waren. Wir gingen in unser sehr komfortables Zimmer, packten und wrungen unsere Sachen aus und hingen sie zum Trocknen auf. Wir waren angewiesen um 19:00 Uhr in das Restaurant zu gehen. Dann mussten wir jedoch bis 20:30 Uhr warten, da es nicht gewünscht war, dass wir uns unter die regulären Gäste mischen.
Nach dem Abendessen erzählte mir einer der anderen Kandooma-Flüchtlinge, dass Vilivaru am 31.12.2004 schließen würde, da das Management wechselt. Ich ging zum Manager und sagte "Wir sind soeben erst angekommen und gehen davon aus bis zum 01.01.2005 bleiben zu können. Was machen sie am 31.12. mit uns?". Er sagte mir, dass er uns einen großen Gefallen tun würde, indem er uns eine Nacht auf Vilivaru übernachten ließe, und dass wir am Morgen alle ausgecheckt würden.
Vilivaru hatte reichlich Räume. Wir waren darauf vorbereitet dort zu bleiben und Geld auszugeben (wir waren die Glücklichsten unter den Kandooma Touristen - grad angekommen hatten wir noch nicht ausgepackt und konnten all unser Hab und Gut retten). Wir hatten unsere Pässe, Geld und Handys in einer trockenen Box.
Trotz des Wechsels des Hotelmanagements, weshalb das Resort trotz eines nationalen Notfalls schließen wollte, bekam ich den schwerwiegenden Eindruck, dass es sich mehr um ein Problem zwischen dem Biyadoo/Vilivaru- und dem Kandooma-Management handelte. Der Manager von Vilivaru machte mir sehr deutlich klar, dass Kandooma lediglich eine Nacht für seine verlegten Hotelgäste bezahlen wollte. Und vielleicht darf ich sie daran erinnern, dass 95 % der Gäste auf Kandooma Pauschalurlauber waren. Wir waren es jedenfalls und im Voraus für eine ganze Woche mit Essen und einer Neujahrs-Gala bezahlt.
Ich fragte den Hotelmanager von Vilivaru, ob sie den Geschenkeladen öffnen könnten, damit die Leute notwendige Sachen kaufen könnten. Er weigerte sich, den Shop früher zu öffnen.
Es gelang mir, mit Kuoni in Male am Nachmittag kurz nach unserer Ankunft auf Vilivaru in Kontakt zu kommen. Ich erklärte ihnen, dass wir alle nach Biyadoo und Vilivaru evakuiert worden waren. Die Leute von Kuoni waren sehr aufgeregt, weil niemand von Kandooma mit ihnen Kontakt aufgenommen hatte, und sie natürlich auch niemanden auf Kandooma erreichen konnten. Sie hatten mehrere Kunden auf Kandooma und wussten nicht, ob sie noch lebten oder bereits tot waren.
Später rief ich Kuoni auf Male an und bekam mitgeteilt, dass wir am Morgen für eine Sondermaschine eingeteilt seinen. Ich fragte, ob es möglich sei, auf Vilivaru zu bleiben. Man sagte mir, dass wir völlig auf uns selbst gestellt seien, wenn wir nicht am 27. Dezember zurückflögen. Natürlich hatte ich ein gültiges Rückflugticket für den 1. Januar, aber sie ließen durchblicken, dass kein Resort Gäste von Kandooma aufnehmen würde.
Kurz nach Mitternacht rief uns die Tauchlehrerin Catherine an und informierte uns, dass wir alle am Morgen des 27. Dezember zurückgeflogen würden. Sie sagte, dass wir uns um 7:00 Uhr an der Bar treffen, ein Frühstück einnehmen und dann zum Flughafen verschifft würden. Wir wurden gegen 5:15 Uhr geweckt und waren um 6:00 Uhr an der Bar. Es gab kein Frühstück. Wir verließen die Insel sofort und wurden nach Kandooma gebracht, wo wir auf die Ankunft der Schnellboote warteten. Wir kamen gegen 7:15 Uhr am Flughafen an.
Auf dem Dhoni von Kandooma nach Vilivaru saß ich neben einem englischen Pärchen mittleren Alters. Sie hatten im Tsunami alles verloren. Sie erzählten mir, dass sie zuhause bei ihrer Familie anrufen wollten, um sie wissen zu lassen, dass sie noch leben. Der Vilivaru Hotel Manager sagte ihnen jedoch, dass sie für das Gespräch zu zahlen hätten. Sie erklärten ihm, dass sie all ihr Geld verloren hätten, aber er meinte, sie hätten dennoch für das Gespräch zu zahlen. Sie baten um Mineralwasser. Das wurde ihnen jedoch ebenfalls mit der Begründung verweigert, sie hätten kein Geld. Ein Gast auf Vilivaru kaufte ihnen Getränke und ließ sie sein Handy benutzen, um zuhause anzurufen. Mein Mann und ich haben es ebenso gemacht, wir kauften Getränke und ließen die Leute unsere Handys benutzen.
Schließlich bekamen wir erst einen Qatar Flug um 20:00 Uhr, weil es so viele Menschen gab, denen es schlechter ging als uns, und die dringend nach Hause mussten. Während der zehn Stunden, die wir am Flughafen warteten, kam ein gleichbleibender Strom von Touristen an. Man hat uns keine Zeit gegeben um unsere Sachen zu trocknen und viele anderen wurde keine Zeit gegeben, um ihre Kreditkarten-Aussteller zu erreichen, um Notgeld für den Kauf von Kleidung zu erhalten.
Ich sah Menschen in Handtücher gehüllt. Ich sah eine Frau mit nicht mehr als einem Bettlaken. Einen alten Mann mit Schuhen, die ihm nicht zu passen schienen. Er erzählte mir, dass er sie am Strand angeschwemmt fand. Und immer noch nahmen Resorts neue Gäste auf, statt denen, deren Resort zerstört wurde, eine neue Bleibe für ihren Urlaub zu bieten. Diese Leute werden kein Geld von ihrer Versicherung zurückbekommen. Ich werde kein Geld von meiner Versicherung zurückbekommen. Da ist ein Kleinigkeit, die sich "Ausschluss von höherer Gewalt" nennt.
Im Moment bin ich so dankbar, dass ich lebe und unverletzt bin, dass ich noch nicht erzähle, wie Touristen auf Kandooma nach dieser schrecklichen Tragödie behandelt wurden. Aber wenn der Staub sich gelegt hat, werde ich die Wahrheit verbreiten."
Kandooma.info kann bis zur Stunde leider keine Gewähr für die Authentizität dieses Tatsachenberichtes geben. Die Infos aus andere Quellen beschreiben die Ereignisse jedoch teilweise deckungsgleich. Wenn sie Näheres wissen, informieren sie uns bitte über kandooma@gmail.com.
Hinweis: Die dargestellten Sachverhalte stellen die persönlichen und somit subjektiven Erlebnisse des Augenzeugen dar. Kandooma.info kann keine Gewähr für die Richtigkeit der gemachten Angaben übernehmen.
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